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Die Kathedrale von Santiago de Compostela

→ 1. Außenansicht  → 2. Innenraum  → 3. Baugeschichte

1. Die Außenansicht

(Die Bilder lassen sich durch anklicken vergrößern.)

Die Kathedrale ist von vier bemerkenswerten Plätzen umgeben, die ebenso wie der Rest der Altstadt seit 1985 zum UNESCO Weltkulturerbe gehören und von denen drei nach Handwerken benannt sind. Zu Füßen der Westfassade liegt die Plaza del Obradoiro (benannt nach der "Werkstatt", auf galicisch "obradoiro", die der Platz jahrhundertelang für die Steinmetze war), im Norden die Plaza de Azabachería (benannt nach dem Gagat, auf spanisch "azabache", der dort bis heute bearbeitet wird), im Osten die Plaza Quintana und im Süden die Plaza Platerías (benannt nach den dort ansässigen Silberschmieden).

Westfassade der Kathedrale von Santiago de Compostela

Von der Plaza del Obradoiro fällt der Blick auf die Westfassade des Doms, die bei schönem Wetter gegen Abend von der untergehenden Sonne mit einem goldenen Schein überzogen wird. Diese Fassade ist das bedeutendste Werk des compostelanischen Barrocks und wurde von dem einheimischen Architekten Fernando de Casas y Nóvoa zwischen 1738 und 1750 geschaffen. Sie entsprach sowohl der barocken Lust nach Üppigkeit als auch der Notwendigkeit, den seit fast sechs Jahrhunderten seine Farbe verlierenden Pórtico de la Gloria vor den Unbilden der Witterung zu schützen. An den Seiten erheben sich die etwa 75 m hohen Türme, von denen der südliche (rechts) nach seiner Funktion Glockenturm ("Torre de las Campanas") und der nördliche (links) "Torre de las Carracas" genannt wird - nach den Klappern oder Knarren mit denen in der Karwoche ("semana santa") das Leuten der Glocken ersetzt wird. Im Mittelgiebel erhebt sich das Standbild des Apostels Jakobus in einer Darstellung als Pilger. Zu seinen Seiten und etwas unterhalb begleiten ihn seine Schüler Atanasius und Theodor.

Nordfassade der Kathedrale von Santiago de Compostela

Die Fassade mit dem Nordtor der Kathedrale bildet das natürliche Portal der Pilger, die die Stadt auf dem Camino francés erreichen. Sie ist nach dem Gagat (auf spanisch "azabache") benannt, der in den Geschäften ihres Vorplatzes bis heute bearbeitet und als Schmuck zum Kauf angeboten wird. Sein älterer Name, laut dem Codex Calixtinus "Paradies", leitete sich vom Inhalt der Darstellungen des romanischen Portals her. Mit dessen Demontage im Jahr 1759 ging auch sein vormaliger Name verloren. Die aktuelle Fassade wurde von Lucas Ferro Caaveiro und Clemente Fernandez Sarela im Barockstil begonnen und später die obere Hälfte von Ventura Rodríguez und Domingo Lois Manteagudo neoklassizistisch fortgesetzt. Die Fassade krönt ein Stanbild des hl. Jakobus als Pilger von Máximo Salazar. Zu seine Füßen werden die Könige Alfons III. und Ordoño II. dargestellt. Im Zentrum befindet sich eine Alegorie des Glaubens von Gambino. Die Frage, wer auf den beiden Medaillons dargestellt ist, ist umstritten.

Puerta Santa

Von der im Osten gelegenen Plaza Quintana läßt sich die Kathedrale in einem Heiligen Jahr ("Año Santo") durch die Puerta Santa betreten. Wie auf der gegenüberliegenden Westfassade ist auch hier der Apostel als Pilger und mit seinen Jüngern dargestellt. Die zu beiden Seiten des Tores eingefügten Figuren stammen ursprünglich aus dem steinernen Chorgestühl des Maestro Mateo, das um 1600 in der Folge des Konzils von Trient zerstört und durch ein hölzernes ersetzt wurde (das wiederum später abgebaut wurde und sich heute im Kloster von Sankt Martin Pinario, gegenüber der Nordfassade des Doms, befindet). Links von der Puerta Santa, etwas zurückgesetzt und gleich neben dem Uhrenturm kann man den Dom durch die Puerta Real betreten. Sie entstand Mitte des 17. Jahrhunderts und gilt als das früheste Zeugnis des Barock in Compostela.

Südfassade der Kathedrale von Santiago de Compostela

Vom Süden schließlich führt der Zugang zum Dom über die Plaza Platerías. Die Puerta de Platerías ist das einzige Tor der Kathedrale, das seine romanische Struktur bis heute bewahrt hat. Die ursprüngliche Bedeutung des Tors mit der Darstellung Christi als Erlöser blieb erhalten, wenngleich berücksichtigt werden muß, daß im Laufe der Jahrunderte Skulpturen aus anderen Bereichen des Doms hinzugefügt wurden. Dieser Umstand erschwert heute eine Deutung der originalen Darstellung erheblich. Die zentrale Figur ist Christus König und unter ihm ist Abraham angeordnet unterhalb dessen möglicherweise Moses dargestellt ist. Von den fünf abgebildeten Aposteln sind nur noch Johannes, Petrus und Jakobus zu erkennen. Im linken Tympanon sind die Versuchungen Jesus zu sehen, der rechte ist zweigeteilt. Die obere Hälfte zeigt die Anbetung der heiligen drei Könige und die untere Hälfte Passionsszenen.

2. Der Innenraum

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Pórtico de la Gloria

Betritt man den Dom vom Obradoiro-Platz aus über die doppelte Treppe begegnet man als erstes einem der bedeutendsten Kunstschätze der Kathedrale: dem Pórtico de la Gloria. Er wurde von Maestro Mateo und seiner Werkstatt bis 1188 geschaffen. Durchschreitet man den Pórtico fällt der Blick durch das insgesamt fast 100m lange, 8,5m breite und fast 20m hohe Mittelschiff auf den gegenüberliegenden prächtigen Hauptaltar, der über dem Grab des Apostels errichtet wurde.

Beginnt man den Rundgang rechts (auf der südlichen Seite) kann man den 12 Weihe- oder Konsekrationskreuzen aus dem Jahr 1211 folgen, die anlässlich des 800-jährigen Jubiläums der Kathedrale gesäubert wurden und beleuchtet sind.

Das linke Seitenschiff

Cristo de Burgos

Wer einen Rundgang dagegen auf der linken (nördlichen) Seite beginnt, erreicht, vorbei an einer absteigenden Treppe, als erstes die Kapelle des Christus von Burgos. Sie ist ein Werk des Barock und wurde mit ihrem kreuzförmigen Grundriß in der Mitte des 18. Jahrunderts von Melchor de Velasco entworfen. Ihr Name rührt von ihrer Christusfigur her, die die Kopie einer Figur ist, die in Burgos verehrt wird. Anschließend erreicht man die Kommunions- oder Herz-Jesu-Kapelle (capilla de la Comunión/capilla del Sagrado Corazón). Sie stammt ebenfalls aus der Mitte des 18. Jahrhunderts und wurde mit ihrem kreisförmigen Grundriß um das Jahr 1770 an der Stelle einer verfallenden gotischen Kapelle (capilla de Don Lope de Mendoza) errichtet.

Das linke Querschiff

Santiago Matamoros Statue von Gambino

Biegt man nun links in das nördliche Querschiff, führt einen der Rundgang zunächst an einer Nische mit einer Skulptur des Santiago Matamoros (Maurentöter) vorbei. Sie wurde in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts von José Gambino geschaffen. Die untere Hälfte dieser Plastik, in der die geschlagenen Mauren dargestellt sind, wird derzeit durch Blumenschmuck verdeckt. Einige Schritte weiter gelangt man zur Kapelle der hl. Katharina von Alexandrien (capilla de Santa Catalina), die ein Standbild der Heiligen mit Märtyrerpalme und Rad enthält. Auf der anderen Seite des Tors, das zur Plaza de Azabachería führt, befindet sich die Kapelle des hl. Antonius (capilla de San Antonio). Sie dient auch dem Andenken des hl. Nikolaus, dessen einst benachbarte Kapelle zerstört wurde, um einen Zugang zur vormals außerhalb des Domes gelegenen Pfarrkirche Santa Maria la Antigua Corticela zu schaffen. Diese Pfarrkirche - auch capilla de la Corticela genannt - ist einer der ältesten Tempel Santiagos und gehörte bereits im 9. Jarhundert zum nahegelegenen Benediktinerkloster.

Der Chorumgang (span. "girola")

Puerta Santa vom Chorumgang

Betritt man den Chorumgang links vom Hauptaltar gelangt man rechter Hand zu einer absteigenden Treppe, die zum Grab des Apostels Jakobus und seiner beiden Schüler, Atanasius und Theodor, führt. Man verläßt den Gang auf der rechten Seite des Chorumganges, von wo über eine aufsteigende Treppe die steinerne Jakobusskulptur erreicht wird, die von Maestro Mateo geschaffen und später reich verziert wurde. Ihr nähern sich die Pilger traditionell zu einer Umarmung. Am Apostel vorbei findet man auf diese Weise zurück zur linken Seite des Chorumganges. An ihn grenzen sieben Kapellen und das innere Tor der Puerta Santa (Photo) in folgender Reihe an: Capilla de San Bartolomé, Capilla de San Juan Apóstol, Capilla de Nustra Señora la Blanca, Capilla del Salvador, Puerta Santa, Capilla de la Azucena, Capilla de Mondragón, Capilla del Pilar.

Der Hauptaltar

Hauptalter der Kathedrale von Santiago de Compostela

Der romanische Altar über dem Apostelgrab war im 15. und 16. Jahrundert schon mehrfach verändert, ergänzt und überarbeitet worden bevor er unter Bischof Vega y Verdugo von Domingo Antonio de Andrade durch einen neuen im Stil des Barock ersetzt wurde. Dabei sah sich der barocke Drang nach Üppigkeit durch den romanischen Rahmen der Kathedrale beengt, was sich etwa in dem überdimensioniert erscheinenenden Baldachin zeigt. Der Hauptaltar enthält drei unterschiedliche Dartellungen Santiagos: unten zunächst Jakobus als Lehrer, darüber Jakobus als Pilger und zuoberst Santiago Matamoros.

Das rechte Querschiff

Das rechte Querschiff beherbergt keine Kapellen. Man kann es im Osten, Richtung Puerta Real und Plaza de la Quintana, durch einen Laden mit Andenken verlassen, der im Fuß des Uhrturms ("Berenguela") untergebracht ist - oder durch das Portal, das zur Plaza de Platerías führt. Auf seiner Westseite befindet sich der platereske Zugang zur Sakristei.

Das rechte Hauptschiff

Zurück im Hauptschiff erreicht man auf dessen rechter (südlicher) Seite den Eingang zu Dommuseum und Kreuzgang. In diesem Komplex der Kathedrale befinden sich unter anderem die Reliquien-Kapelle, das Kapitulararchiv und die Kapitularbibliothek sowie ein archäologisches und ein Gobelin-Museum. In der Kapitularbibliothek befinden sich auch die Vorrichtungen zur Aufbewahrung der beiden Botafumeiros.

Die Weihekreuze der Kathedrale von Santiago de Compostela

Weihekreuz der Kathedrale von Santiago de Compostela

Im Jahr 2011 jährte sich zum 800. Mal die Einweihung des Doms von Santiago. Aus diesem Anlass wurden auch die zwölf Weihekreuze restauriert. Eine eigene Seite mit Bildern der Weihekreuze, einer Abschrift der lateinischen Inschriften und ihrer spanischen Übersetzung finden Sie hier.

3. Baugeschichte

Zwar begann der Bau des romanischen Kerns der heutigen Kathedrale im Jahr 1075. Doch muß selbst eine kurze Geschichte des Doms mit der Entdeckung des Grabes des Apostels Jakobus beginnen. Diese Entdeckung ereignete sich nach der compostelanischen Dokumentation im ersten Viertel des 9. Jahrhunderts - zu der Zeit als Teodomiro Bischof von Iria Flavia und Alfons II. ("der Keusche") asturisch-galicischer König war. Demnach entdeckte Teodomiro - durch den Eremiten Pelayo auf ein nächtliches Leuchten aufmerksam gemacht und durch Engel geleitet - in einem Wald die Ruinen eines kleinen Gewölbes, die er aufgrund mündlicher und schriftlicher Überlieferungen als das Grab des Apostels identifizierte.

Eine erste Basilika wurde daraufhin im Auftrag König Alfons II. errichtet. Während sich die Forscher nicht darüber einig sind, ob von ihr noch Reste nachweisbar sind oder ob ihre Existenz allein aus historischen Dokumenten und Ereignissen geschlossen werden muß, finden sich bis heute Teile der zweiten Basilika, die Alfons III. und Bischof Sisnando zum Ende des 9. Jahrhunderts errichten ließen und die im Jahr 899 geweiht wurde.

Es waren zwei Umstände, die im 11. Jahrundert den Bau einer neuen Basilika notwendig machten. Einerseits hatte der anwachsende Strom der Pilger Ausmaße erreicht, die nach einer größeren Kirche verlangten. Andererseits waren die Zerstörungen und Plünderungen Santiagos und seiner Basilika während des Überfalls der Mauren unter Almansur im Jahr 997 Anlaß für einen Neubau. So wurden im Jahr 1075 unter König Alfons VI. von León und Kastilien und auf Initiative des Bischofs Diego Peláez (1071-1088) die Arbeiten von Baumeister Bernard dem Älteren ("Maestro Bernardo el Viejo") begonnen. Im Jahr 1088 wurde Bischof Peláez von Alfons VI. abgesetzt, was das Ruhen der Arbeiten an der Basilika zur Folge hatte und das Ende des ersten Bauabschnitts bedeutete.

Die zweite romanische Bauphase beginnt mit der Ernennung von Diego Gelmírez - zunächst zum Verwalter des Bischofssitzes (1095) und später zum Bischof (1100) - durch Ramón von Burgund, Graf von Galicien. Die Errichtung der Nord- und Südfassade im Jahr 1101 sowie die Einweihung der Apsiden-Kapellen im Jahr 1105 belegen das rasche Voranschreiten der Arbeiten unter Baumeister Stefan ("Maestro Esteban" auch "Maestro de Platerías") in dieser Phase.

König Ferdinand II. von León beschloß um die Mitte des 12. Jahrunderts die Arbeiten an der Kirche des Apostels zum Ende zu bringen. Dazu verpflichtet er den genialen Baumeister Mateo ("Maestro Mateo"), der ab 1168 die Arbeiten mit seiner Schule insbesondere am Chor, an der Krypta und am Westportal mit dem herausragenden "Pórtico de la Gloria" fortsetzt. Am 21. April 1211 konnte Erzbischof Pedro Muñiz die Kathedrale einweihen.

Doch damit waren die Bauarbeiten keineswegs beendet. Im Laufe des 13. Jahrhunderts - jetzt im gotischen Baustil - wurde etwa ein erster kleinerer Kreuzgang errichtet, der ab 1521 durch einen größeren im Stile der Renaissance ersetzt wurde. Das 17. und das 18. Jahrhundert sahen schließlich die barocken Anbauten, die der Kathedrale bis heute ihre unverwechselbare äußere Gestalt verleihen. Insbesondere der östliche Anbau mit der "Puerta Santa" und die prägende barocke Westfassade seien hier erwähnt.

aktualisiert: 7.1.2014