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Die Jakobsmuschel

Einige fast weiße Jakobsmuscheln

Viele Tausend Pilger sind mit der Jakobsmuschel bereits bestens vertraut, lange bevor sie Santiago de Compostela erreichen. Ihre abstrakte Darstellung mit den gelben Strahlen auf blauem Grund hat ihnen hundertfach den Weg zum Grab des Apostels Jakobus gewiesen, und viele von ihnen haben sich eine Muschel als Pilgerkennzeichen an ihre Rucksäcke oder Pilgerstäbe gebunden oder gar - in der Manier der Darstellungen des Apostels als Pilger - an ihre Hutkrempe gesteckt.

Jakobsmuscheln mit rotem Jakobskreuz

Dem heutigen Symbolcharakter der Jakobsmuschel (die sich auch im Papstwappen von Benedikt XVI. findet) dürfte ihre praktische Funktion für den mittelalterlichen Pilger vorausgegangen sein. Nach der Überlieferung diente sie dem Wanderer dazu, Wasser auch aus den flachsten Pfützen schöpfen zu können und so seinen Durst zu löschen oder ein mitgeführtes Gefäß - wie etwa den oft abgebildeten getrockneten und ausgehöhlten Kürbis - zu füllen.

Wer auf dem Jakobsweg durch Galicien wandert, der begegnet möglicherweise den „Vieiras“, wie die Jakobsmuscheln auf galicisch heißen, auch an Häuserwänden. Dort dienen sie in unterschiedlichen Anordnungen und in unterschiedlicher Zahl gelegentlich als Dekoration. An manchen älteren Gebäuden sind in seltenen Fällen sogar Fassaden erhalten, die zum Schutz vor Feuchtigkeit und Regen vollständig mit der Muschelschale bedeckt sind.

In Stein gemeißelte Jakobsmuschel

In Santiago angekommen begegnet man der Jakobsmuschel noch in zwei weiteren Varianten: in Stein gemeißelt über Hauseingängen der Altstadt und in Silber gefertigt. Die steinerne Ausführung stammt aus der Zeit, in der auf diese Weise das Eigentum an den zur Kathedrale gehörenden Gebäuden gekennzeichnet wurde. Die silbernen Muschelschalen, die in den Geschäften Santiagos zum Kauf angeboten werden, finden Verwendung, um bei Taufen Weihwasser über das Haupt des Täuflings zu gießen.

Schließlich kommen der Jakobsmuschel auch noch kulinarische und sogar musikalische Bedeutung zu. Pecten maximus, so der wissenschaftliche Name der großen Jakobsmuschel, die im Atlantik heimisch ist, gilt als Delikatesse. Eine typische Zubereitungsart in Santiago ist es, sie in der eigenen Muschel zu überbacken. Zum Rhythmusinstrument wird das Pilgersymbol in der regionalen Musik, wenn man zwei der gewölbten Kammuscheln mit ihren Radialfalten aneinander reibt und so ein waschbrettartiges Geräusch von erstaunlicher Lautstärke erzeugt.