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Wo liegt das Ziel des Jakobswegs?

Manchem mag die Frage nach dem Ziel des Jakobsweges seltsam oder überflüssig erscheinen. Wo soll denn der Jakobsweg hinführen, wenn nicht zu Jakob, wohin, wenn nicht zum Grab des Apostels Jakobus des Älteren in der Kathedrale von Santiago de Compostela, im Nordwesten Spaniens? Schließlich entstand der Camino de Santiago vor mehr als tausend Jahren, weil Pilger aus aller Herren Länder zu den im ersten Drittel des 9. Jahrhunderts entdeckten Gebeinen des Jüngers Jesu pilgern wollten; dorthin, wo unter Alfons II. ein erster Tempel, wo unter Alfons III. eine etwas größere Basilika und wo ab 1075 zum Ruhm des Apostels die romanische Basilika errichtet wurde, die unter den späteren Anbauten bis heute erhalten blieb.

Doch für eine nicht unerhebliche Zahl von Pilgern ist der Weg nicht zu Ende bis es tatsächlich nicht mehr weiter geht, bis der Atlantik dem Voranschreiten ein Ende setzt, bis in Finisterre das Ende der antiken Welt erreicht ist. Dort, auf den Felsen des Kaps oder am nahen Strand, verbrennen einige der Wanderer symbolisch Teile ihrer Ausrüstung oder suchen sich eine Jakobsmuschel, so wie ihre Vorgänger schon vor Tausend Jahren. Für diese muß es freilich ein noch beindruckenderes Erlebnis gewesen sein, den Blick auf das Mar Tenebroso, das Meer der Finsternis und auf das Ende der Welt zu richten.

Die Frage nach dem Ziel des Jakobsweges ist jedoch keine rein geographische Frage. Wer sich beim Zurücklegen von hunderttausenden von Schritten selbst sucht oder zu sich selbst findet, für den ist das Ziel möglicherweise schon erreicht, bevor er in Santiago de Compostela ankommt. Und wen die Pilgerschaft auf die eine oder andere Weise verändert hat, für den stellt das Ende der letzten Etappe des Jakobsweges vielleicht den Anfang einer erst beginnenden längeren Reise dar.