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Kleines Pilgerlexikon

Was fehlt? Schreiben Sie mir, und ich füge den gewünschten Begriff gern hinzu.

Año Santo

Año Santo heißt auf deutsch Heiliges Jahr. Es wird immer dann gefeiert, wenn der Tag des hl. Jakobus, der 25. Juli, auf einen Sonntag fällt. Dies ist einem Rhythmus von 11,6,5,6 und wieder 11 Jahren der Fall. Nach 1993, 1999 und 2004 werden also 2010 und 2021 die nächsten Heiligen Jahre sein. Nur in Heiligen Jahren kann die Kathedrale von Santiago de Compostela durch die Puerta Santa, die Heilige Pforte, betreten werden, die dazu durch den Bischof von Santiago in der Nacht vom 31. Dezember auf den 1. Januar feierlich geöffnet wird. Auf das symbolhafte Einreißen einer kleinen Mauer wird dabei zukünftig verzichtet. Wann zum ersten Mal ein Heiliges Jahr begangen wurde ist umstritten. In der Bulle "Regis Aeterni" von Papst Alexander III., die nach ihrem Wortlaut aus dem Jahr 1179 stammt, werden Privilegien bestätigt, die auf Papst Calixtus II. und das Jahr 1122 zurückgehen. Diese Privilegien sehen einen vollständigen Nachlaß aller Sündenstrafen für diejenigen Pilger vor, die in einem Heiligen Jahr aus Verehrung und in Buße das Apostelgrab in Santiago besuchen. Die Echtheit der Bulle wird jedoch bestritten. Nach dem jeweiligen Anstieg der Pilgerzahlen 1428 und 1434 sind diese Jahre möglicherweise die ersten Heiligen Jahre gewesen.

Codex Calixtinus

Diese mittelalterliche Handschriftensammlung findet sowohl unter der Bezeichnung "Codex Calixtinus" als auch unter "Liber Sancti Jacobi" und "Jakobsbuch" Erwähnung. Wie der erste Name zeigt, wurde die Urheberschaft der Sammlung von fünf Büchern lange Papst Kalixt II. zugeschrieben, dessen Name sich auch unter dem Vorwort findet. Weil der Ursprung des Jakobsbuchs auf die Jahre zwischen 1130 und 1140 datiert wird, während Kalixt II. bereits 1124 gestorben war, gilt das Vorwort jedoch als Fälschung und der französiche Mönch Aymeric Picaud als der derjenige, der die fünf Schriften in einem Buch vereinte. Die älteste erhaltene Abschrift stammt etwa aus dem Jahr 1150 und wird (nachdem sie am 5.7.2011 als gestohlen gemeldet und am 4.7.2012 wiedergefunden wurde) im Archiv der Kathedrale Santiagos aufbewahrt. Für die Entwicklung des Jakobsweges war insbesondere das von Picaud selbst verfaßte 5. Buch des Codex von Bedeutung, das als der älteste Pilgerführer der Welt gilt und u.a. die Landschaft, das Wesen und die Gebräuche der Menschen und die zur Verfügung stehenden Nahrungsmittel auf verschiedenen Abschnitten des Weges beschreibt.

Compostela

Pilgerurkunde Compostela

Die Compostela ist die Pilgerurkunde, die in Santiago de Compostela den Pilgern überreicht wird, die in christlicher Gesinnung entweder zu Fuß oder zu Pferd mindestens die letzten 100 km bis zum Grab des Apostels Jakobus zurüchgelegt haben oder die letzten 200 km per Fahrrad, und dies durch Vorlage der Credencial belegen. In die lateinische Urkunde werden der Name des Pilgers und das Ausstellungsdatum eingetragen. Die deutsche Übersetzung des lateinischen Textes lautet etwa: "Das Kapitel dieser heiligen, apostolischen und erzbischöflichen Kirche von Compostela, Kustos des Siegels des Altars des heiligen Apostels Jakobus, in der Absicht allen Gläubigen und Pilgern, die aus dem ganzen Erdkreis, aus Verehrung oder eines Gelübdes wegen, zum Tempel unseres Apostels und Schutzpatrons Spaniens, dem heiligen Jakobus, zusammenkommen, echte Urkunden zur Bezeugung ihres Besuches auszustellen, macht allen und jedem, die in das Vorliegende Einblick nehmen, bekannt, daß (Name des Pilgers) diesen hochheiligen Tempel ehrfürchig aus Frömmigkeit besucht hat. Zu dessen Beglaubigung überreiche ich ihm vorliegende Urkunde, versehen mit dem Siegel ebendieser heiligen Kirche."

Cotolaya

Im Jahr 2014 gedenken die Franziskaner-Mönche der Pilgerreise ihres Ordensgründers, Franz von Assisi, nach Santiago de Compostela im Jahr 1214. Aus diesem besonderen Anlass haben sie sich entschlossen, den Pilgern, die in diesem Jahr Santiago erreichen, ein der Compostela ähnliches Dokument auszustellen, das nach Cotolay, dem Erbauer des Franziskanerklosters in Santiago, "Cotolaya" genannt wird. Die Urkunden können von 10:00-11:00 Uhr und von 18:00-19:00 Uhr in der Sakristei der Klosterkirche entgegengenommen werden. Siehe auch: Kloster San Franciso.

Credencial

Credencial ist das spanische Wort für den Pilgerausweis oder Pilgerpass, den sich die Pilger auf den Stationen ihres Weges zur Bestätigung stempeln lassen. Die ordnungsgemäß ausgefüllte Credencial ist sowohl Voraussetzung für den Erwerb der Compostela bei der Ankunft in Santiago als auch Erinnerungsstück, das den Verlauf der Reise dokumentiert. Von den verschiedenen Versionen, die sich derzeit in Umlauf befinden, wird für den Erwerb der Compostela seit dem Jahr 2009 nur noch die von der Kirche und den mit ihr zusammenarbeitenden Institutionen gegen eine Spende abgegebene Credencial anerkannt. 2014 wurde der neue, unten abgebildete, Pilgerpass/Credencial vorgestellt, der im Pilgerbüro in Santiago für €1,50 erworben werden kann. Entgegen den inoffiziellen Pilgerausweisen, die gelegentlich für mehrere Euro verkauft werden, enthällt das offizielle Dokument u.a. den ausdrücklichen Hinsweis auf die Voraussetzungen für den Erwerb der Compostela: Sie wird denjenigen überreicht, die in christlicher Gesinnung, wenn auch nur in suchender Haltung, entweder die letzten 100 km bis zum Grab des Apostels zu Fuß oder auf dem Pferd oder die letzten 200 km auf dem Fahrrad zurückgelegt haben. Pilgerpass Credencial Pilgerpass Credencial

Goethe-Zitat

Johann Wolfgang von Goethe wird nicht selten das folgende Zitat zugeschrieben: "Europa ist aus der Pilgerschaft geboren, und das Christentum ist seine Muttersprache." Nach längeren fruchtlosen Nachforschungen ergab eine Anfrage beim Goethe-Institut in Madrid eine erstaunliche Antwort. Selbst dort waren die bereits vor Jahren begonnenen Bemühungen, den Autor des Zitats ausfindig zu machen, erfolglos geblieben. Eine rechnergestützte Suche in der institutseigenen Goethe-Ausgabe auf CD-ROM brachte ebenfalls keinen Treffer. Das Zitat stammt also nicht von Goethe. Kennen Sie die Quelle?

Heiliges Jahr

siehe Año Santo

Liber Sancti Jacobi

siehe Codex Calixtinus

Valiña Sampedro, Elías

Der Gemeindepfarrer von O Cebreiro gilt als der Erfinder der mit gelber Farbe gemalten Pfeile zur Kennzeichnung des Jakobsweges. Er betreute das galicische Dorf, das dem Hostienwunder von O Cebreiro einige Bekanntheit verdankt, von 1959 bis 1989 und machte sich u. a. um die Wiederbelebung des Jakobsweges verdient. In seinem Buch, "Elias Valiña, valedor do Camiño" beschreibt Lois Celeiro, wie sich Valiña mit Pinseln und gelber Farbe der Arbeiter behalf, die damit die im Bau befindliche neue Landstraße markierten.

aktualisiert: 12.5.2014